Gebet

Die einfachste Erklärung, die mir einmal zukam, war, dass ein Gebet ein persönliches Gespräch mit Gott sei. Das macht es leicht, weil ich meine Gedanken, Sorgen und Wünsche erst einmal im Zwiegespräch formuliere und meine Wirklichkeit daran prüfen kann. Fehlt mir etwas, das für mein Wohlergehen wichtig ist? Besinnen passt hier ausgezeichnet als Qualität des Denkens und der Sinne dazu. Herz, Denken und Handeln in Einklang bringen. Gebet kann auch als Aufforderung verstanden werden. Gib was von Dir ab. Ein paar nette Worte oder biete Deine helfende Hand. Das Wort selber leitet sich ursprünglich von „bitten“ ab. Beten war also eine Bitte. Man möchte Beistand von höherer Stelle. Beten entstand erst danach als eigene Wortschöpfung.

Geben ist seliger, denn nehmen. Althergebrachte Höflichkeit, die einen Mehrwert schöpft, hervorgehend aus dem eigenen Vermögen, sprich, den eigenen Fähigkeiten etwas zu tun. Es gibt allerdings auch „Du vergibst Dir doch nichts, wenn Du das oder jenes tust“, was bedeutet, dass man sich nicht dadurch schadet. Vergeben, ein weiterer Aspekt. Man gibt etwas her, Gnade zum Beispiel. Gebefreudigkeit. Gebet, Geben, Freude.

Aber zurück zum Gebet. Geben und Beten. Wieder einmal ist Mut gefordert. Es gibt Menschen, die abends vor dem Schlafen gehen ihren Tag Revue passieren lassen und noch einmal schauen, was gut und was schlecht gelaufen ist. Auch wenn man ‚nur‘ die eigene Stimme hört, oder ‚nur‘ die eigenen Bilder sieht, ist das der Dialog, den man beginnt, um die Aspekte, die nur abseits des Alltags in Erscheinung treten wahrzunehmen. Den eigenen Standort in Augenschein nehmen, das ist es, um was es geht. Egal wie man es nennen mag. Gespräch mit Gott oder der ‚inneren Stimme‘. Unangenehmes Empfinden kann einen abschrecken, aber es lohnt sich, dahinter zu schauen. Aus ‚ich will dies oder das nicht‘ lässt sich ‚ich will dafür dies oder das‘ herausschälen. Aus etwas Positivem wieder eine frische Leitlinie für den nächsten Tag oder die nächste, am besten überschaubare, Zeit gewinnen. Das eigene Leben gestalten.

Gebet – in erster Linie sich selber etwas geben und es dann mit anderen teilen. Schwerer muss man sich das nicht machen. Wer vor dem Schlafen gehen sein Ruhe haben will, kann auch kleine Zwischenräume während des Tages nutzen. Kurz innehalten, hineinhorchen. Gedanken und Gefühle wahrnehmen. Sich selber wiederfinden, neu entdecken und sich selbst Mut machen und Trost spenden. Nur wer sich selber mag, ist genießbar. Es geht nicht um den großen Entwurf, sondern nur um das Glück im Kleinen, das ist nämlich machbar.

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