Bruno

Wer ist das, wirst Du Dich fragen. Du kennst ihn. Er ist das berühmte HB-Männchen, das uns von den 60ern bis in die 90er Jahre begleitete. Ein sympathischer Loser, wie Donald Duck, Ente des Herzens oder Horst Schlämmer, den viele Deutsche am liebsten als Bundeskanzler gesehen hätten.

Sind wir nicht alle ab- und zu ein bißchen bluna, Bruno, Horst oder Donald? Ja. In jedem von uns lebt so ein charmanter Loser. Er verspricht allen alles, will an sich selber glauben und scheitert an den kleinsten Hürden des Alltags. Er ist die Blaupause des Alltags, der Urlaub vom Vernunftmenschen und der Bauchmensch schlechthin.

Wir sind genau da am sympathischsten und menschlichsten, wo wir nicht funktionieren. Tollpatschig, ungelenk, ungeschickt, treuherzig, umständlich und unpraktisch. Tanzbären, die vom Rhythmus des Lebens verwirrt ins Straucheln geraten und auf den Hosenboden fallen.
Charlie Chaplin und Buston Keaton verkörperten diesen Typus perfekt. Guter Dinge oder einfach naiv den äußeren Umständen gehorchend, sind diese Figuren Stellvertreter für das tragische und komische Element des menschlichen Lebens. Es gehört immer ein klein wenig Glück dazu, ein Unterfangen zu einem Erfolg zu machen, aber das bleibt dem Pechvogel meistens verwehrt. Obwohl dies so ist, geht der Unglücksrabe nicht unter. Er berappelt sich aus jeder Niederlage, steigt wie Phoenix aus der Asche empor und gewinnt meistens das Herz einer gutherzigen Schönen, um die weitaus Attraktivere buhlen als unser unglückseliger Tropf. Ein schöner Wunschtraum, aber eben ein beliebtes Filmmotiv und zugleich ein tiefes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Entschädigung für die Härten des Lebens, die wir alle erfahren.

Verlieren können – ein Teil einer gut entwickelten Persönlichkeit. Nur wer Misserfolge erlebt hat, kann Erfolge schätzen und  Situationen realistisch einschätzen. Dazu gehört ein gehöriges Maß an Ehrlichkeit sich selber und anderen gegenüber. Aber das macht auch gelungenes Miteinander aus. Würden wir schon immer alles können und wissen, gäbe es nicht viel zu gewinnen. Und auch Misserfolge sind ein Gewinn. Trial an Error. Mit sich selber gut sein und akzeptieren, dass wir beides brauchen und auch erfahren, Erfolge und Misserfolge.

Bruno ist auch ein Synonym für die gesunde Seite der Selbstreflektion. Bruno steht meistens schon mit dem linken Fuß morgens auf, bleibt auf dem Weg ins Bad am Türrahmen hängen und verschüttet seinen Kaffee auf das frische Hemd oder Shirt. Bruno stellt dann fest, dass er einen wichtigen Termin vergessen hat und in der daraus entstehenden Hektik und abstürzenden Stimmung geht dann meist noch mehr schief. Zu allem Überdruss weisen einen die Anderen in dieser Situation zurecht und die Scham über das Ungemach ist groß. Bruno denkt nach und stellt fest, dass alles schief gelaufen ist, mehr, als wenn der Tag rund gelaufen wäre. Das ist eben gerade der Schmelztiegel, in dem Entwicklung passiert. Der Bruno in uns allen sucht nach den Gründen für die Fehlschläge und nach Lösungen und sagt sich letztlich „Neuer Tag, neues Glück!“.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s