Und jetzt?

Die alten Griechen wussten es schon, „es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern unsere Sicht der Dinge.“

Ohne Frage, es ist völlig natürlich und menschlich, dass es Tage gibt, an denen wir uns am liebsten die Decke über den Kopf ziehen und noch lieber alles vergessen würden. Es ist allerdings ein Trugschluss zu glauben, man könne Sorgen einfach vom Tisch fegen und weg sind sie, ein für allemal.

Es ist auch schier übermenschlich jeden Tag gute Laune zu haben und über den Dingen zu stehen. Aber gerade jetzt ist es gut, eine realistische Bestandsaufnahme zu machen.

– Bin ich einfach nur mit dem linken Fuß aufgestanden und am nächsten Tag nehme ich den rechten?
– Habe ich tatsächlich eine oder mehrere Baustellen?
– Wenn es Baustellen gibt, welche davon macht mir den ärgsten Kummer?
– Liste machen: Vor- und Nachteile dieser Baustelle.
– Wie kann ich sie beseitigen?
– Einfach mal Freunde und Bekannte fragen, wie sie mit der Baustelle umgehen würden.

Schon fertig? Nein.

Wirkliche Probleme müssen gelöst werden um langfristig eine Erleichterung zu schaffen. Was aber schlichtweg unfair sich selber gegenüber ist, ist das dauernde Grübeln und Unwohlsein, das sie einem bescheren können. Hier beginnt der vielleicht einzige anstrengende Teil der Arbeit, weil man wirklich nett sich selber gegenüber sein sollte! Es sei denn, man ist gerne ein lamentierendes Springteufelchen, das sich und andere nervt. Logisch, man kann sich auch sagen, wenn es die Welt nicht gäbe, hätte ich keine Probleme, klar doch. Wer sitzt jedoch mit den miesen Gedanken und Gefühlen herum? Man selber, nicht die Welt.

Als ich meine Diplomarbeit an der Universität geschrieben habe, kam unweigerlich eine Ermüdungsphase. Müdigkeit und Hunger verderben jede Zuversicht. Als ich wie ein Häufchen Elend bei meiner Hausärztin saß, die sich geduldig meine Versagensängste angehört hatte, bekam ich die beste Medizin, die es in diesem Moment gab. Sie fragte mich, was denn das Schlimmste sei, das passieren könne. Aufgewacht aus dem Strudel der Angst vor der Angst sagte ich: „die Prüfung nicht zu bestehen“. Na, und ist das etwa schlimm? Der Weltuntergang? Nein. Das war mir sofort klar.

Zudem gab es auch ein paar Tipps. Klar, wer mag schon gute Ratschläge? Aber einer ist sinnvoll und den sollte man unermüdlich testen, wenn man endlich wieder frei im Kopf werden möchte. Ich mache es seitdem permanent und es hilft. Man hat nichts zu verlieren, nur zu gewinnen.
Es lohnt sich, seiner Gedanken bewusst zu werden und jedes Mal, wenn man in die Baustelle stolpert und darin hängen bleibt – im Kopf ‚Stopp‘ zu sagen. Es erfordert Aufmerksamkeit und Disziplin.

Aber Vorsicht! Da unangenehmen Gedanken und Gefühlen eine körperliche Spannung zugrunde liegt, die sich erstmal beruhigen muss, ist dieser Gedankenstopp ständig nötig, weil ein ganzes Bündel von negativen Bewusstseinsinhalten aufsteigt. Wer befürchtet, es handelt sich um Verdrängung, der kann beruhigt werden. Echte Probleme, die man lösen muss, kann man nicht wirklich verdrängen, nur sollte man sich gezielt Zeit nehmen, um sich damit auseinanderzusetzen.  Insofern ist es hilfreich, sich für diese permanente Anstrengung des Gedankenstopps zusätzlich zu belohnen. An was Nettes denken oder etwas Schönes tun, sich bewegen, mit Anderen sprechen oder sich einfach mal umarmen lassen.

So nebenbei, ich bin damals natürlich nicht durch die Prüfung gefallen, aber ich träume nachts gerne ab- und an von dieser Situation, was mir sagt, ich nehme mal wieder etwas zu ernst und lasse mir die Stimmung ruinieren. Muss nicht sein.

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