Mit halber Kraft ans Ziel

„Ich kann nicht entspannen.“ – Das ist ein häufiger Einwand, wenn es darum geht, Grundlagen zu setzen, um das eigene Unbehagen zu mildern. Dabei stellt sich die Frage, ob es überhaupt nötig ist zu entspannen, damit es einem besser geht. Entspannung ist zwar nützlich, aber es gibt auch andere Wege zu angenehmen Empfindungen und guten Gefühlen zu kommen, wie z.B. einkaufen gehen, essen, reden. Mein Einwand: es wird möglicherweise langfristig nicht zu einem angenehmeren Leben führen. Möchte man ‚gut drauf‘ sein, kann man vieles tun und lassen. Hier geht es um einige Möglichkeiten das Lassen zu tun. Denn ein schlauer Kapitän weiß, dass er mit voller Kraft allein mit seinem Schiff nicht ans Ziel kommt.

Biologisch sind alle Menschen auf einen harmonischen Wechsel von Sympathikus und Parasympathikus angewiesen. Also eine Balance von aktiv und passiv sein. Der Körper braucht Aktion und auch ein gewisses Maß an Ruhe, damit es ihm gut geht. Dieses Gleichgewicht ist bei jedem anders und wird durch ein gutes Maß an Tun und Lassen erreicht.

Sein lassen. Gelassen sein. Es gibt zahlreiche Wege dahin, auch den zu meditieren. Viele Methoden, die im Westen heute Verwendung finden, kommen aus dem fernen Osten und sind sehr wirksam: Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Mindful Based Stress Reduction. Allesamt ohne religiösen Unterbau und leicht in Kursen zu lernen.
Die meisten Arten der Entspannung durch innere Sammlung nehmen ein Thema zum Anlass. Die meist angewendete ist die Achtsamkeit auf Körper, Empfindungen und Gefühle, Gedanken und Weisheiten sowie Tugenden, wie z.B. die Vergänglichkeit oder die Mitfreude. Es geht jedoch auch mit der Konzentration auf den Atem, auf Farben, auf die vier Elemente usw.

Je nach Charakter und Temperament wirken die verschiedenen Meditationen positiv auf Gemüt und Körperfunktionen. Am besten probiert man einiges aus und bleibt bei dem, was einem am meisten liegt und am leichtesten fällt. Auch Entspannungs-CDs können dabei unterstützend sein, wie z.B. Klangschalen-, Herz-, Meeresrauschen-Meditationen und viele mehr. Aber ebenso wirksam ist beten, singen, Musik hören, spazieren gehen, dösen, auf dem Sofa liegen oder ein warmes Bad nehmen. Der willkommene Nebeneffekt ist das Empfinden von Geborgensein, was Freude und Zufriedenheit mit sich bringen kann.

Was hält einen davon ab? Das ist kein Geheimnis. Mit den ersten Vorboten der Ruhe kommt auch das Getrieben- und Gehetztsein zum Vorschein. Ein spürbarer Widerstand, der die Gewohnheit des Hamsterradelns aufrecht erhalten will. Es kann auch ein schlechtes Gewissen auftauchen oder das Gefühl der eigenen Wichtigkeit als Macher, der nie rasten und schon gar nicht rosten möchte. Angespannt wie ein Bogen, der seinen Pfeil nie abschießt.

Eigentlich schade, wenn man sich keine Zeit für sich selber nimmt, oder? Nimm Dich nicht nur im Tun sondern auch im Lassen ernst und wichtig. Mach mal halb lang und Dich selber locker. Schließlich ist der Käpt’n der letzte, der sein Schiff verlässt.

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