Dinner for two

Was die Meistens am meisten beschäftigt ist die Einsamkeit. Alleinsein wird als Manko empfunden, als Fehler der eigenen Persönlichkeit. Es gibt jedoch Zeiten und Situationen, die wir mit uns selber, ohne Gesellschaft, verbringen müssen. Ob uns das gefällt oder nicht. Es gibt keine ‚Normalität‘, was das eingebunden sein in eine Gemeinschaft angeht. Das Gefühl, dass alleine sein etwas ist, das es zu vermeiden gilt, beruht eher auf einer abseitigen Vorstellung als auf realen Gegebenheiten.

Mit sich selber etwas anfangen können ist ein Geschenk oder etwas, das es sich lohnt auszuprobieren. Die vielen Wünsche, die man mit Gemeinsamkeit verbindet, sind gute Begleiter, wenn man sich für die Zweisamkeit und die Gemeinsamkeit stärkt. Wenn ich mir überlege, was ich mit anderen erleben möchte, dann sind das Ereignisse, die den Flair von harmonischen Oasen haben. Gespräch, Austausch, anregende und gemütliche Atmosphären. So kam ich irgendwann darauf, dass es sicher gut ist, selber eine klare Vorstellung von einem gelungenen Miteinander zu haben und diese Oasen genau zu kennen.

Sich selber der beste Freund, die beste Freundin zu sein ist eine gute Basis dafür. Sich morgens nach dem Aufstehen im Spiegel wohlwollend wahrnehmen und vielleicht sogar anlächeln. Das Gesicht, das Einem dort entgegensieht schaut auch in die Welt. Und schau mal herum wie viele Gesichter ein ‚Gesicht machen‘, mit dem man nicht unbedingt einen schönen Tag verbringen möchte.

Der nächste Schritt ist dann ein 24-Std. tête-à-tête sein, wo man mal genau darauf schaut, was man selber so den ganzen Tag macht. Ich darf raten. Das Frühstück wird achtlos nebenbei verschlungen, wie alle Mahlzeiten. 3 mal kauen und schlucken. Die Kaffee- oder Teetasse grob auf den Tisch geknallt wie alle Handgriffe und Tätigkeiten – ohne Augenmerk. Die ganze Welt ist eine Sache, sogar man selber ist es. Das höchste der Gefühle ist vielleicht ein Zwang, diese Objekte zueinander in den rechten Winkel zu stellen oder zu legen. Aber eher doch liegt alles irgendwo lieblos herum, ohne Belang. Wir haben auch zuviel des Guten, so beliebig ist alles.

Fang die Gemeinsamkeit bei Dir selber an. Mit einem Dinner for two, bei dem Du mit Dir einen erlesenen Abend verbringst. Überleg Dir genau, was Du gerne essen möchtest. Es muss nicht selber gekocht, aber wenigstens selber eingekauft sein. Zu was gibt es die Mikrowelle. Deck für zwei Personen. Leg alles mit Bedacht auf den Tisch. Zünde eine Kerze an. Es kann auch leise Musik im Hintergrund sein. Nimm einen Bissen und leg das Besteck beiseite bis zum nächsten Bissen. Kaue bedächtig. Bedenke einen Moment, wie lange Dein Essen brauchte, um zu wachsen und verzehrbereit zu sein. Und wie lange Du gebraucht hast, um bis hierher zu kommen. Proste Dir zu. Du bist Dein bester Freund. Und für jeden besten Freund gibt es weitere Freunde, die sich wie Du freuen, wenn ihnen jemand zuhört und wenn sie jemandem zuhören können. Wenn Du soweit bist, räume alles weg, ohne Eile.

Wenn Du spüren kannst, wie erholsam und erfüllend Dein Dinner for two mit Dir selber sein kann, dann wird auch Gemeinsamkeit ein wertvolles Erlebnis sein. Weil es nichts Beliebiges ist. Es ist kostbar. Mit sich selber eins und Du-auf-Du zu sein gibt die Sicherheit für das ‚Wir‘. Auch die anderen wollen einen netten Abend mit einem angenehmen Menschen verbringen, so wie Du. Sei Dir ein Freund, eine Freundin – dann kannst Du auch den Anderen Freund sein.

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