Spieglein, Spieglein, Spiegelei!

Auf geht’s zur Eulenspiegelei und der wahren Bedeutung, wenn man sich beim Spiegeln ordentlich verguckt. Im Mittelniederdeutschen heißt „ulen“ wischen und der „spegel“ steht unter anderem für die 4 Buchstaben.

Sich und/oder andere betuppen ist ein Überlebensprinzip, das man immer dann dringend braucht, wenn man auf anderem Wege nicht punkten kann. Wie kommt man in so eine Situation? Man fühlt sich nicht gleichauf mit Anderen und/oder man hat ernsthafte Makel, die verborgen bleiben sollen und von denen man ablenken will. Niemand mag es, wenn das Fremdbild nicht der glanzvollen Erscheinung entspricht, in die man sich hinein gedacht hat.

Die Spiegelsäle oder -kabinette, die im Barock erstmals eingerichtet wurden, zeugten von Größe und Erhabenheit. Man wollte sich von allen Seiten angemessen bewundern und vervielfältigen. Spiegel war zudem eines der sündhaft teuersten Materialien jener Zeit, wie z.B. auch die Farbpigmente der Purpurschnecke. Man konnte sich’s leisten! Was einen heute noch kulturell zum Staunen bringt, führte als Zeichen von Dekadenz im Rokoko zu rollenden Köpfen, weil der glamouröse Prunk den einfachen Leuten durch Beutelschneiderei abgerungen war.

Spiegellabyrinthe und Lachkabinette entstanden dann im Zuge der Begeisterung für Perspektive und Dimensionen zur Unterhaltung und Belustigung. Optische Effekte und auch Trugbilder in verzwickten und vertrackten – mit Spiegeln ausgestatteten – Wegführungen, denen man froh war wieder entkommen zu können.

Illusionen und Täuschungen sind so alt wie der Mensch. Wir wollen uns alle im besten Licht präsentieren. Wenn die Spiegelei allerdings von echten Flecken auf der weißen Weste ablenken muss, dann wird es brisant. Die Alltagsforschung hat mit einer interessanten Erkenntnis aufzuwarten, die Erleichterung mit Schwindeleien davonzukommen ist größer als die moralischen Bedenken für Lug und Trug.

Nun ja, für Jäger und Sammler ist die Gier ein treibendes Element in der Spiegelei. Und steht sogar eine Autorität hinter dem Betuppen, dann sind alle Bedenken beim Mogeln vom Tisch gewischt. Da kann man dann, ohne mit der Wimper zu zucken, die Brüllaffen gut verstehen. Die schreien so laut, damit man im dichten Urwald nicht sieht, dass sie recht klein und auch nicht besonders stark sind. Und beim Balzen gilt es umso mehr: wer auf Platz Eins sein und die beste Versorgung innerhalb seiner Gruppe haben möchte, muss sein Gefieder wie ein Pfau aufplustern.

Die meisten Menschen bevorzugen jedoch zum Glück das, was sie an sich und in der Realität haben. Wer will da im Ernst ein Brüllaffe, ein Pfau oder der Kaiser mit den neuen Kleidern sein…..?

Wie sagte schon die Eleonore Duse: „Es ist gefährlich, anderen etwas vorzumachen, denn es endet damit, dass man sich selbst etwas vormacht.“