Ich, die 7 Zwerge und der Schweinehund

Es gibt die Eigentlich-Tage, die Linke-Fuß-Tage und die Vollmond-und-Fön-Tage. Ich mag keinen davon. Und an diesen Tagen mag ich auch mich selber nicht. Zeit für einen Roll- bzw. Vollmops-Tag mit meinen besten Freunden. Nur das kann Schreckenstage neutralisieren.

Was ist der Eigentlich-Tag? Die innere Uhr ist eigentlich auf Ausruhen eingestellt und man „muss“ einen Aktiv-Tag bewältigen. Morgens schon müde, mittags immer noch nicht wach und nachmittags mit letzter Müh und Not und mit Streichhölzern die Augenlider aufhaltend unterwegs. Kopf leer, Körper schwach und keine Lust auf nix. Also „Null-Flow“, wie man es Neudeutsch nennen könnte. Eigentlich hätte man lieber spontan Urlaub nehmen sollen. Aber wer ist am Eigentlich-Tag schon so pfiffig zu intervenieren. Keiner! Durch den Tag schleichen, mit Dünnsinn aufwartend und absolut jeden Anschluss im Gespräch und in den Arbeitsabläufen verpassend. Einfach neben sich stehen und noch nicht mal da. Noch schlimmer, kein Erfolgserlebnis weit und breit und sich größtmöglich selber blöd finden ist das Ergebnis. Gut ist, wenn man nie vergisst, dass hier nix zu retten ist! Wer Humor hat, erträgt so einen Tag leichter, weil er es gewohnt ist, auch mal dumm dazustehen.

Ähnlich gelagert sind die Vollmond-und-Fön-Tage. Der Unterschied zum Eigentlich-Tag ist der, dass man nun wirklich absolut von außen her verpeilt und verstrahlt ist, weil der Luftdruck steigt oder sinkt, Ebbe und Flut einen schon vor Stunden weggeschwemmt haben und man noch nicht einmal die geringste Ahnung von seinem Unglück hatte. Ähnlich fühlt sich eine schwere Grippe an. Die höheren Mächte haben sich gegen einen verschworen und es gibt keine Ausrede, weil man längst nicht so kaputt und müde ist wie am Eigentlich-Tag, aber trotzdem nix auf die Reihe kriegt. Wie erkennt man einen am „Vollmond-und-Fön-Tag“ Leidenden von außen? Er ist nicht Chef in seinem eigenen Haus, bzw. Kopf. Er wirkt unter Umständen fit und wach, aber nicht wirklich ausgeglichen. Man könnte sagen, empfindlich, launisch, seltsam und eindeutig Opfer der eigenen Macken. Zudem sitzt mit Sicherheit die Frisur nicht und sieht aus wie „Finger in die Steckdose gesteckt“.

Die Linke-Fuß-Tage sind die gemeinsten. Man ist ausgeschlafen, wach, fit genug für einen Aktiv-Tag und was passiert…. nichts klappt. Man macht Fehler ohne Ende und von außen droht ebenfalls nur Ärger und Ungemach. Handy hat sich entschlossen zuhause zu bleiben, EC-Karte funktioniert nicht mehr, verärgerte Mitmenschen, die ihren Ärger an einem auslassen und dann noch schlechtes Wetter mit Gegenwind. Noch schlimmer, lauter nörgelnde Gedanken überschwemmen einen.

Die Lösung ist recht einfach: Ich, die 7 Zwerge und der Schweinehund machen einen Ausflug miteinander. Ich…. will, dass es mir gut geht, also tue ich mir etwas Gutes. Dazu brauche ich diese intelligenten inneren Freunde. Dieses Team ist unschlagbar. Am besten überlässt man immer einem Teil der Crew die Führung an diesen Tagen. Daher einige Tipps zur Intelligente-Freunde-Wohlfühl-Kombi.

Für die Eigentlich-Tage:
Der Chef-Zwerg ist der Anführer des inneren Coaching-Teams. Ihn braucht man immer. Er ist klug und liebevoll. Gutes sich selber zureden und Mut machen und noch mehr innere Helferlein-Zwerge auf den Plan rufen, die in der Lage sind, den Tag zu rocken, ihm eine Richtung zu geben und zumindest eine persönliche Note zu verleihen.

Für Vollmond-und-Fön-Tage:
Will man es sich nicht allzu sehr mit der eigenen Umwelt verscherzen, dann hilft Zwerg Schlafmütz. Er gähnt und gähnt den ganzen Tag weg. Vor allem die Kollegen lassen einen in Ruhe, weil sie Angst vor dem ansteckenden Gähnen haben und selber schon mühsam ums Wachsein ringen.

Oder… braucht man mal Pause von dem Ernst des Lebens? Dafür gibt’s den Zwerg Happy. Er lässt einen den ganzen Tag an der langen Leine herumlungern und Spaß suchen und haben. Probleme? Nicht mit Happy. Und nicht am Krisen-Tag.
Helfen kann auch Zwerg Hatschi. Er ist den ganzen Tag mit seinem fürchterlichen Heuschnupfen oder sonstigen Symptomen beschäftigt und gar nicht in der Lage die Umwelt überhaupt wahrzunehmen. Und mal ehrlich, so ein Tag dauert nie allzu lange. Besonders dann, wenn man sich um sich selber dreht und damit beschäftigt ist, sich Gesundheitstees aufzubrühen, Taschentücher vollzuschniefen oder im Internet nach tödlichen Krankheiten zu googeln.

Für die Linke-Fuß-Tage:
Wenn man ausreichend Mut hat, kann man auch einfach mal einen Pimpel- oder Seppl-Zwerg-Tag einlegen. Alles rauslassen, was einen bewegt und aus einem All-Tag mit Pflichten- einen „Freizeit und Freiheits“-Tag machen. Ohne Businessgesicht, einfach der sein, der man zuhause ist. So macht arbeiten oder der Ernst des Lebens Spaß. Kindisch, schüchtern, unsicher, unlogisch, tollpatschig und nöhlend – auch so kann ein blöder Tag angenehm vergehen. Und die Umwelt ist einem bisweilen dankbar für die erfrischende Abwechslung.

Oder ist es nötig, sich alle/s vom Hals zu halten für ganze 24 Stunden? Dann ist der Brummbär-Zwerg der Richtige. Er ist immer muffig und misstrauisch und ein liebenswerter Philanthrop, der einfach mal seine Ruhe braucht.

Wer an all diesen Sch….tagen natürlich auch nicht fehlen darf, ist der innere Schweinehund. Ein Profi für Notfallmaßnahmen am strauchelnden Aufrechtgeher. Er lässt einen einfach mal so sein, wie man von der Natur geschaffen wurde. Ein wertvoller Freund Deines gesunden Menschenverstandes, weil er den natürlichen Primaten in Dir allzu gut kennt, der Dich wieder auf die Spur zu Dir selber und in Form bringt. Viele Menschen haben eher ein zwiespältiges Verhältnis zu ihrem inneren Schweinehund, weil er alle guten Vorsätze torpediert. Er ist der Anarchist im Oberstübchen. Deshalb ist er auch so wertvoll und sollte als einzigartiger gesunder Anteil der eigenen Persönlichkeit gewertschätzt werden. Wer sonst könnte dem inneren Antreiber, der jeden miesen Tag noch mieser macht mir seinen Vorwürfen und dem Charme eines Bootcamp-Käptns, Einhalt gebieten, wenn nicht der wilde Schweinehund, der keine Disziplin, sondern emotionale Entlastung fördert und Entspannung einläutet. Lass Dich gehen, bzw. die Leinen los und der Schweinehund nutzt seinen ausgleichenden Auslauf, bis alles wieder im Lot ist.

Und…. alles wieder gut!